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Töfffahren ist gefährlich...

"Motorradfahren ist gefährlich." Mit diesem Intro nimmt Brigitte Buhmann, Direktorin der bfu, schon auf der ersten Zeile des neuen bfu-Reports Nr. 59 "Verhalten, Einstellungen und Unfallerfahrungen von Motorradfahrern" die Message vorweg, mit welchem Ziel die Studie von zwei (promovierten Verkehrs-) Psychologen verfasst wurde. Dafür wurden 1998 6000 Motorradfahrer mit Fragebögen über ihre Erfahrungen und ihre Motivation Töff zu fahren befragt. An der dritten Befragungsrunde (2007) nahm noch die Hälfte (597) derjenigen Töfffahrer teil, die in der ersten Runde (1317) mitgemacht hatten.
Die 76-seitige Studie versucht, Töfffahrer zu typisieren und ihre Beweggründe und Verhaltensmuster im Verkehr zu ergründen und zu erklären, welches die Faktoren sind, in einen Unfall verwickelt zu werden. Doch dabei kommen sie zu wahrlich unglaublichen Resultaten, So führen die Experten als erstes von fünf Hauptargument die Schulbildung an. Eine höhere Schulbildung korreliert nach ihren Ergebnissen positiv mit dem Unfallrisiko. Das heisst, je höher die Schulbildung eines Bikers, desto grösser sein Unfallrisiko. Eine überzeugende Erklärung für dieses Ergebnis der statistischen Auswertung der Umfrage kann zwar nicht geliefert werden. Doch auch wenn die Psychologen diesbezüglich "erstaunt" sind, so stellen sie das Ergebnis doch keinesfalls in Frage. Das könnte ja auch auf andere Resultate abfärben, und das wäre schliesslich jammerschade...

 

Die wesentlichen Resultate
Doch fahren wir fort: Auch Töff-Erfahrung hat einen signifikanten - in diesem Fall - jedoch (statistisch) negativen Einfluss auf das Unfallrisiko. Wer lange fährt, macht weniger Fehler, verunfallt weniger häufig bzw. wahrscheinlich. Anders bei der Motivation, Töff zu fahren. Je emotionaler sich jemand im Verkehr bewegt, desto grösser ist das Risiko, das mitfährt. Ganz im Sinne des Auftraggebers - allerdings auch nicht überraschend - ist die statistische Bestätigung, dass Leute, die häufig die Höchstgeschwindigkeit überschreiten, häufiger in Unfälle verwickelt werden als die, die angeben, sich an die Vorgaben zu halten. Eine Einladung und Begründung für die Politik, hier mit Kontrollen für die Einhaltung zu sorgen. Die Erfahrung, dass häufig andere Fahrzeuge (z.B. PW) an Unfällen mit Töffs Schuld sind, wird mit der Erklärung abgetan, dass die Fahrer die Motorräder ja "nicht vorsätzlich" übersähen. Ein Trost für die Biker, die dies zu spüren bekommen. Als letztes Argument wird die Fahrleistung angeführt. "Es ist nicht ganz unerwartet", heisst es in der Studie dazu, "dass die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall zu erleiden, mit zunehmenden Fahrleistungen ansteigt. Pro gefahrenen Kilometer ist sie jedoch geringer bei Personen mit grossen Fahrleistungen."
Nicht mehr signifikant beweisen lässt sich hingegen der positive Zusammenhang zwischen der Missachtung von Überholverboten und dem Unfallrisiko oder der Selbsteinschätzung des fahrerischen Könnens und des Unfallrisikos. Grundsätzlich kann ein positiver Einfluss nachgewiesen werden, dieser ist aber statistisch nicht signifikant. Das Gleiche gilt für schwere Unfälle in der Bekanntschaft oder Familie. Die Statistik weist darauf hin, dass Biker, die einen Unfall in der Umgebung miterlebt haben, mit grösserer Wahrscheinlichkeit selbst verunfallen als andere, die dies nicht erlebt haben. Eine Begründung für diese Erkenntnis gibt es wiederum nicht. Wie diese geführt werden könnte, bleibt denn auch offen. Nicht nur statistisch positiv wirkt sich wiederum der Besuch von Sicherheits- und Fahrertrainings aus. Um 41 % sinkt das Unfallrisiko, wenn man einen solchen Kurs besucht.

 

Motorradfahren aufgeben?

Neben den Risikofaktoren für die Unfallverwicklung hat die Studie auch eruiert, welche Faktoren einen Einfluss darauf haben, ob jemand das Motorradfahren aufgibt oder nicht. "Grundsätzlich wäre es möglich", heisst es dazu, "aus diesen Resultaten Schluss-folgerungen abzuleiten, wie  man das Aufgeben des  Motorradfahrens fördern könnte. Auch dies wäre eine Verkehrssicherheits-massnahme - Verringerung der Unfallzahlen durch Verringerung der Exposition." Die bfu sei jedoch der Meinung, dass die Entscheidung für oder gegen das Motorradfahren eine freie persönliche Wahl sei und das auch bleiben solle. Daher verzichte sie auf die Empfehlung von Massnahmen, die den Einzelnen von der Wahl des Motorrades als Fortbewegungsmittel abhalten oder zum Aufgeben des Motorradfahrens animieren könnten. Nicht verzichten kann sie indessen auf den Hinweis, dass - unabhängig von der Frage der Schuld bei einem Unfall - Motorradfahrer wesentlich stärker gefährdet seien, schwere oder sogar tödliche Verletzungen zu erleiden, als beispielsweise die Insassen von Personenwagen. Wie gesagt: Motorradfahren ist gefährlich. 
 

Warum die Studie?
Kann es Ziel einer so aufwändigen Studie sein, Binsenweisheiten zu bestätigen? Oder wurden die drei Umfragen durchgeführt, um all die in Politik und Verwaltung mit Hinweisen und Argumenten zu munitionieren, die sich zum Ziel gesetzt haben, andere - wie die Studie selbst formuliert - von der Wahl des Motorrads als Fortbewegungsmittel abzuhalten? Die Vermutung liegt nahe. Auch der Hinweis, die bfu verzichte auf entsprechende Empfehlungen, ist deshalb als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. Entsprechende Hinweise und Anregungen sind nämlich im Heft enthalten. Wirklich neue Erkenntnisse bringt die Studie zudem keine. Sie untermauert und betoniert die bisherigen Argumente für die Verstärkung der Repression. Das ist ja auch schon was! Im wissenschaftlichen Sinne wirklich ernst nehmen kann man sie ohnehin nicht, dazu ist die Basis der Teilnehmer zu klein und auch nicht repräsentativ. Doch das ist nicht nötig. Entscheiden ist, dass die Studie gezeigt hat, dass die bfu einmal mehr zur Steigerung der Verkehrssicherheit tätig war und Argumentationshilfe leistet. Dass sie im Vorfeld von "Via Sicura" veröffentlicht wird, ist zudem alles andere als Zufall.

Vorahnung auf das, was folgt...
Ganz billig dürfte die Studie indessen nicht gewesen sein. Wir versuchen, den Aufwand zu erfahren. Vorerst wirft sie bereits ein Bild auf das, was uns erwartet, wenn "Via Sicura" angenommen und unser Zwangsbeitrag zu deren Finanzierung von heute 0.75 auf 5 (oder 2.5) Prozent der Motorfahrzeugversicherungsprämie erhöht wird. Im Bike-Magazin "Töff" setzt sich IGM-Mitglied Martin Hauswirth mit der Studie auseinander. Sein Fazit: "Stoff für Zoff!"

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